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Alfred Gottwald, am 11. Juni 1893 in Tarnau / Schlesien geboren, gilt als expressionistischer Kirchenmaler, der vielleicht einzige große Kirchenmaler des 20. Jh.
Er studierte an der Kunstakademie in Breslau, wo er 1915 die Zeichenlehrerprüfung ablegte und besuchte danach die „Figurenmalklasse” von Professor Kaempffer, der vom Jugendstil beeinflusst war.
Gottwald musste zum Militär und nach Kriegsende arbeitete er in Breslau, Berlin und schließlich ab 1926 in Bonn, wo er bis 1940 blieb. Diese Zeit wird als besonders fruchtbar bezeichnet; es entstanden Portraits, religiöse Bilder, Graphiken und große Wandmalereien in Kirchen. Eine Erkrankung brachte ihn zurück in die Heimat, wo er in seiner Heimatpfarrkirche Tarnau einen großartigen Bilderzyklus geschaffen hat.
Gewirkt hat Gottwald auch in der Kirche Hl. Geist in Stuttgart, in Mottgers (Krs. Schlüchtern) bei Mosaiken im Dom von Trier, in Mettlach an der Saar, in Clüsserath und Burgen an der Mosel, in München und der Schweiz. Auch in Schweden, wo er Freundschaft mit dem 1. Bischof von Stockholm, Erik Müller, schloss.
Für die 1961 in Minden-Ost erbaute Dreifaltigkeitskapelle schuf er ein Altarbild mit der Darstellung der heiligen Dreifaltigkeit.
Als 70jähriger wurde er nach Wien berufen, um die Ausstattung eines Flügelaltars zu schaffen (leider keinen Hinweis gefunden, wo dieser aufgestellt wurde).
Geschaffen hat er auch Bilder im Pustet-Brevier, dem täglichen Gebetbuch der meisten Priester. Auf vielen Altären stehen Kanontafeln mit seinen Bildern. Außerdem hat er ein Missale Romanum (Altarmessbuch) und ein Missale Defunctrom (Messbuch für die Totenmessen) ausgestaltet.
Der schlesische Historiker und Heraldiker Dr. Paul Bretschneider, ein Freund Gottwalds, entwarf ihm ein Wappen, in dem auf goldenem Grund das schwarze T dominiert (für Tarnau). Im Kreuzungspunkt ist ein Dreieck, das Symbol des Dreieinigen Gottes. Dieses Wappen ist auf vielen Gemälden zu finden.
Kunst-Prof. Dr. Georg Siegmund (Fulda):
In seiner Kunst ist Alfred Gottwald eigene Wege gegangen, die er selbst als „ehrfürchtigen Realismus” bezeichnet hat, fernab von der geistigen Mode.
Ein von reichem theologischen Wissen genährter Glaube setzt sich bei Gottwald in Bilder um, die von einem gemütswarmen Herzen durchpulst werden. Eben in dieser Hinsicht ist er ganz Schlesier, er besitzt Gemütswärme, die ans Mystische grenzt.
Alfred Gottwald selbst hat gesagt:
Ich bin mir bewusst, dass jeder sakrale Raum, auch ein Dom, immer noch zuerst und weit vor allem anderen ein Haus des Gebetes ist und nicht ein Museum des Zeitgeschmackes.
In unserer Hiller Kirche sind Bilder von ihm sowohl im Eingang als auch in der Sakristei zu bewundern.
Alfred Gottwald starb am 7. Dez. 1971 im Alter von 78 Jahren. Er wurde auf dem Friedhof in Hille beigesetzt. Frau Helene Klinke, ein Nachbarskind aus Tarnau, sorgte sich um die Gräber von Gottwald und seiner Schwester.